Sterbebegleitung heißt zuallererst: da sein. Aber: Viele Wochen hatten wir keinen Zutritt zu Alten- und Pflegeheimen. Selbst ins Hospiz durften wir nicht.

Sterbebegleitung heißt: nah sein. Aber: Immer noch gilt es, Abstand zu wahren – keine Umarmung, keine Berührung.

Sterbebegleitung heißt: kommunizieren – verbal und häufig nonverbal. Aber: Wie kann das gelingen, wenn ein großer Teil unseres Gesichts verdeckt ist?

Sterbebegleitung heißt auch: für die An- und Zugehörigen da sein. Aber: auch hier alles mit Abstand, ohne Umarmung, häufig ohne Teilnahme an der Trauerfeier.

Trauerbegleitung: Nicht von ungefähr stieg die Nachfrage seit dem Frühjahr extrem an. Aber: Für Trauergruppen und das monatliche Trauercafé fehlten Räumlichkeiten, in denen man den gebotenen Abstand einhalten konnte.

Zu Beginn des neuen Jahres wissen wir nicht, wie lange der Lockdown gelten wird, wie lange es noch dauern wird, bis wir wieder all das tun können, was sich in der Begleitung von Sterbenden und Trauernden bewährt hat. Aber wir haben gelernt, mit den Einschränkungen umzugehen. Unsere Ehrenamtlichen und die Koordinatorinnen haben kreative Lösungen gefunden: schriftlich Kontakt gehalten (über SMS, WhatsApp, Briefe), Trostherzen genäht, etwas gebastelt oder gemalt und natürlich telefoniert, sogar eine eigene Telefonnummer für die Trauer angeboten…

So haben wir in diesem besonderen Jahr nicht ganz so viele sterbende Menschen begleiten können wie im Vorjahr, dafür aber umso mehr trauernde Menschen. Unsere Sprechstunde Patientenverfügung wurde in Anspruch genommen, die Letzte-Hilfe-Kurse konnten immerhin 5-mal stattfinden. All das wäre ohne das Engagement unseres hauptamtlichen Teams und der 40 Ehrenamtlichen nicht möglich gewesen.

Wir freuen uns über die große Wertschätzung, die wir bei den Bürgerinnen und Bürgern erfahren. So ist die Zahl unserer Mitglieder innerhalb eines Jahres von 235 auf 273 gestiegen. Und auch wenn manche Spende aus Anlass eines runden Geburtstages oder Jubiläums ausfallen musste: Wir sind dankbar für die vielen Spenden, die uns auch in diesem Jahr erreichten.

2020 – das Jahr, das viele Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt hat. Aber auch das Jahr, in dem wir – durch ehrenamtliches und finanzielles Engagement – viel Unterstützung erfahren haben. Das gibt uns Zuversicht für das neue Jahr.

Ulrike Jürgens